Ein Besuch in Dresden

Wer aus Bayern oder Hamburg nach Dresden reist, der wird sich wundern. Endlos zieht sich die Strecke hin und wir erreichen einen Zipfel der Bundesrepublik Deutschland. Und es lohnt sich. Dresden ist anders. Angesiedelt wurde sich an der Elbe seit der Steinzeit und seit Ende des Mittelalters ist Dresden ein Kulturzentrum in Europa. Denn die Kunstsammlungen und Bauwerke übertreffen bei weitem die Kirchen und Kunstsammlungen im übrigen Deutschland. Leider wurde Dresden im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört und so ist die Stadt heute fast ein Geschichtsbuch, vom ultramodernen Container bis zur Frauenkirche. Überall architektonische Meisterleistungen. Die Einheimischen nennen ihre Stadt auch: Elbflorenz.

Semperoper

Die Semperoper

Die Semperoper

Das berühmteste Bauwerk in Dresden wird wohl auch die meisten Gäste in die Landeshauptstadt locken. Semper war der Architekt und nach ihm wurde das Bauwerk benannt. Im 19. Jahrhundert wurde die Oper erbaut und gilt als Meisterwerk. Das Besondere an der Konzeption ist, dass Semper selbst in seiner Zeit in Revolutionen verwickelt worden war. Auch deswegen hat Semper in den Wänden die gesamte Kulturgeschichte von Europa integriert. So ist Zweck, Schönheit und Theater zu einer Einheit verschmolzen worden. Wer mal eine Führung mitgemacht hat, das ist problemlos möglich, der wird erstaunt sein, was ein Riesenaufwand an Technik in dem Gebäude versteckt ist. Denn die Kunst, ein Theater zu bauen, ist nicht leicht. So hat der Architekt den Pausenraum für die Theaterzuschauer so gebaut, dass die Menschen in der Pause schnell ins Gespräch kommen. Jene Tricks machen die Oper einmalig, allein der Vorhang, fast eine halbe Tonne schwer, wird jeden Theaterzuschauer begeistern. Der Vorhang selbst präsentiert einen Querschnitt durch die Theatergeschichte der Welt. Die Reinigung von dem Vorhang kostet 40000 Euro. Die Semperoper selbst schwebt wie ein Luftschloss über der Stadt.

Frauenkirche

Dresdener Frauenkirche

Dresdener Frauenkirche

Im 18. Jahrhundert, also 100 Jahre vor der Semperoper, wurde die Frauenkirche in Dresden erbaut. Kirche unserer Lieben Frau ist ihr richtiger Name, und gilt als schönste Kirche der Protestanten. Die Kirche wurde zerstört und wieder aufgebaut und ist heute auch ein Treffpunkt von Spitzenpolitikern, denn die Kirche wird auch für die Friedenspolitik genutzt. Weltberühmt ist die Kuppel. Aus der Nähe gesehen wirkt die Kugel wie der Erdball, der alles auf sich versammelt. So beeindruckend die Kirche ist und wirkt, die Architekten haben hier Sensationen erschaffen. Denn die Statik ist ein einem solchen Gebäude eine sehr diffizile Angelegenheit. So hat allein die Wiederherstellung der Uhr fast ein Jahr gedauert, denn hier wird ein gigantischer Materialaufwand betrieben. Orgel und Altar verschmelzen in der Kirche zu einer Einheit. Bewundern werden die Besucher vor allem das Auge der Vorsehung.

Herkuleskeule

Während die Älteren ihr Vergnügen suchen in der Semperoper, so trifft sich die Jugend von Dresden in der Herkuleskeule. 1961 wurde das Theater gegründet. Es wurde weltberühmt, weil es im Sozialismus keine Kritik gab. Aber die Theaterleute machten 1989 weiter und so gibt es die Bühne heute noch. Bissiger als die Theater im Westen wird auch heute noch die Regierung kritisiert. Boshaftigkeiten werden mit Witzen gemischt und so bleibt doch dem Publikum öfter mal der Mund offen stehen in der Show.

Musik

Der Fürstenzug aus Meißner Porzellan Fliesen

Der Fürstenzug aus Meißner Porzellan Fliesen

In Dresden gibt es die beste Musik der Welt. Die Sächsische Staatskapelle ist das berühmteste Orchester der Welt. Mehr als 400 Jahre wird hier schon gespielt, das ist Weltrekord. So ist das Orchester auch weltweit unterwegs, auch zum Beispiel bei den Salzburger Osterfestspielen. Das Ensemble gewinnt auch regelmässig Preise und spielt auch vor dem König. Denn die Orchester wurden damals gegründet, um die Herrschaften zu erfreuen. Deswegen ist auch das Niveau so hoch, weil die Fürsten an Unterhaltung nie gespart haben. Lesen Sie mal einfach die Liste der Musiker, die in den letzten 500 Jahren für die Sächsische Staatskapelle gespielt haben. Sie sollten allerdings Karten für ein Konzert lange im Voraus vorbestellen. Denn wie auch in der Semperoper sind die Vorstellungen der Sächsischen Staatskapelle fast immer ausverkauft.

Sport

Im Fussball konnten die Mannschaften von Dresden in den letzten Jahren niemals oben mitspielen. Dafür ist aber Dresden eine Hochburg für Schachspieler. So gibt es fast das ganze Jahr über in Dresden Schachturniere. Für den Zuschauer lohnt sich am ehesten der Besuch von einem Blitzturnier. Denn gerade wenn ein neues Spiel gestartet wird, kann der Besucher vor allem von den ersten 10 Zügen der Kontrahenten am meisten lernen.

Nachtleben

Dresden - Blick entlang der Elbe Richtung Semperoper

Dresden – Blick entlang der Elbe Richtung Semperoper

Natürlich gibt es auch jede Menge Kinos und Discotheken in Dresden. Lohnenswerter ist aber ein Abend an der Hochschule. Denn in Dresden werden für die Bürger viele Nachtvorlesungen angeboten, natürlich mit unterhaltsamen Themen. Zum Beispiel: wie wird ein Feuerwerk bunt oder wie funktioniert Musik. Spannende Themen, oft aufregender als ein Discobesuch.

Kulinarische Spezialitäten

Weltberühmt ist der Dresdner Stollen und den sollten Sie in Dresden probieren. Denn so wie die Spaghetti in Italien besser schmecken als bei uns, so ist ein Stollen aus Dresden der Jumbo unter den Süssigkeiten. Probieren Sie auch die anderen Spezialitäten wie Russisch Brot, Dominosteine, Dresdner Eierschecke, Pflaumentoffel oder Quarkkäulchen. Mir hat die Eierschecke am besten geschmeckt.

Goldener Reiter

Zwingergarten in Dresden

Zwingergarten in Dresden

Das bekannteste Denkmal in Dresden ist der sogenannte Goldene Reiter. August der Starke wurde hier vergoldet. Denn das Standbild ist nur vergoldet. Es besteht hauptsächlich aus Kupfer. Warum ist das Bildnis so gut und so bekannt, denn es gibt in Deutschland sicher mehr als 1000 Reiterdenkmäler. Das Faszinierende am Goldenen Reiter ist der Gesichtsausdruck von Reiter und Pferd. Ähnlich wie bei der Mona Lisa hat der Künstler exakt die zehntausendstel Sekunde erwischt, wo die Macht sich in den Augen von August des Starken spiegelt. Das Pferd wurde vom Künstler in dem Moment eingefroren, als das Pferd in seiner Parade die maximale Lebensfreude und auch den maximalen Gehorsam gegenüber dem Fürsten zeigt. Egal ob Schweif oder Huf, man muss zweimal hinschauen um zu sehen. Das Pferd wird nicht springen, es wird noch jahrtausendelang verharren. Erbaut im 18. Jahrhundert, wird es auch immer wieder restauriert. Denn Schönheit lockt leider Querulanten an und so muss immer wieder mal gegen den Vandalismus angegangen werden. Viele Produkte aus Dresden haben als Logo den Goldenen Reiter auf ihre Packungen drucken lassen.