Mit dem Nachtzug nach Barcelona

Fremd für den Deutschen und in einer Nacht mit dem Zug erreichbar: Spanien. Barcelona ist die zweitgrösste Stadt des Landes und hier weht uns schon ein wenig Wind vom Orient und von Afrika um die Ohren. Nicht nur an der Architektur ist das heute noch sichtbar, auch in den Restaurants ist der Bezug von Spanien zu anderen Kontinenten zu spüren. Wir fahren für ein langes Wochenende mit dem Nachtzug nach Spanien. Mittwochabend geht es los, nach Feierabend und Donnerstag morgen, in Deutschland ist Feiertag, erreichen wir Spanien.

Baden an der Costa Brava: Cadaques

Der Stadtstrand von Barcelona

Der Stadtstrand von Barcelona

Weil wir schon auf dem Weg sind, machen wir noch einen Abstecher an die Costa Brava. Es ist einfach und praktisch, erst ans Meer zu fahren und danach zum Shoppen und Kulturtaumel in die Grossstadt. Wir fahren mit dem Nachtzug, damals fuhr er noch jeden Tag, direkt von Deutschland durch Frankreich bis Figueres. Hier sind wir knapp hinter der Grenze zwischen Spanien und Frankreich. Es ist Donnerstag morgen, die Sonne geht auf und wir erreichen den Bahnhof der kleinen spanischen Stadt. Direkt vom Bahnhof aus geht es weiter mit dem Bus nach Cadaques am Meer. Dort ist nicht so viel los, weil Cadaques etwas abseits vom Trubel liegt und von Betonburgen verschont geblieben ist. Trotzdem gibt es auch ein kleines Museum. Direkt am Hafen kann man in kleinen Hotels übernachten und herrliche Spaziergänge an der Küste entlang machen. Natürlich ist jede Form von Wassersport möglich und der Fisch abends auf dem Teller hat uns wohl am Nachmittag noch beim Baden zugeschaut.

Von Cadaques nach Barcelona

Spanien - Barcelona - Park Güell

Spanien – Barcelona – Park Güell

Von Cadaques aus fuhren wir am Samstag morgen mit dem Bus weiter nach Barcelona. In Spanien wird per Bus gereist. Egal ob von Stadt zu Stadt oder quer durch das Land, die Spanier fahren lieber Bus als mit dem Zug. Leicht finden wir in Cadaques den Busbahnhof und schon bald, kurz vor Mittag, erreichen wir den Busbahnhof von Barcelona. Wer mit dem Zug nach Barcelona reisen sollte, der wird von der Stadt so gut wie gar nichts sehen. Weil fast alle Zugschienen unterirdisch verlegt wurden. Auf gewisse Weise gehen wir nun auf die Jagd auf die Unterwelt von Barcelona. Und zwar nicht auf Verbrecherjagd oder Fahrten mit der U Bahn. Sondern wir tauchen in die reiche Geschichte von Nordspanien ein, denn fast alle Kulturen von Afrika, Westasien und ihre Bauten sind hier zu finden. Auch heute noch ist Barcelona ein politischer Brennpunkt auf der iberischen Halbinsel.

Barcelona ist Kunst

Barcelona – Font Màgica und Palau Nacional im Hintergrund

Barcelona – Font Màgica und Palau Nacional im Hintergrund

Reich ist die Geschichte der Stadt und wir gehen staunend von Haus zu Kirche zu Palast. Natürlich haben wir nicht alles gesehen und wir haben uns auch durch die Stadt treiben lassen, weil immer wieder ein Kunstwerk an einer neuen Straßenecke zu entdecken ist. Die Casa Mila hat uns am besten gefallen, nicht nur wegen der Optik, sondern auch wegen der genialen Konstruktionen in dem Haus. So hat der weltberühmte Architekt Gaudi überall Licht und Luft durchfliessen lassen, das heisst, es ist angenehm kühl im Haus auch ohne Klimaanlage. Die Einheimischen aber verspotten das Kunstwerk als „Der Steinbruch“.

Hotelsuche in Barcelona

Wie sucht der Fremde sich zum ersten Mal ein Hotel ohne Planung oder Pauschalreise. Natürlich sollte die Landessprache etwas beherrscht werden. Mit dem Gepäck in einer Bar Tee oder Limo bestellen und dann einfach die Gäste und den Wirt fragen nach habitationes oder Hotels. Das klappt in der Regel immer. Besser in einer Bar, am Marktplatz fragen, als am Busbahnhof oder Zugbahnhof. Idealerweise kann man die Fragerei in einer Studentenkneipe durchzuführen.

Placa de Catalunya

Plaça Reial im Barri Gòtic Viertel von Barcelona bei den Ramblas

Plaça Reial im Barri Gòtic Viertel von Barcelona bei den Ramblas

Den Samstagspätnachmittag verbringen wir auf der Placa. Nicht nur trifft sich hier die Jugend von Barcelona, es wird gespielt und überall ist ein Picknick. Umgeben ist der Platz von unzähligen historischen Gebäuden und was noch viel wichtiger ist, hier sind viele Studentenkneipen zu finden. Hier oder auch schon auf dem Platz, ein wenig spanisch ist hilfreich, ist es kein Problem, in Kontakt mit den Spaniern zu kommen und Geheimtipps für Disco oder Restaurant abzustauben. Dabei ist es in Spanien, vielleicht etwas anders als in Deutschland, nicht so wichtig wo man hingeht, wichtiger ist mit wem. So wird Euch jede andere Clique woanders hinbringen und Euch die heissen Bars zeigen.

Picasso und Spanien

Es ist unmöglich, Spanien ohne Picasso zu besuchen. Der Sonntag ist reserviert für sein Museum. Dali haben wir leider nicht geschafft, aber das Dali Museum in Figueres hätte sich in jedem Fall gelohnt. Dali und Picasso waren nicht nur Maler. Ihr Leben, auch im Museum nachzuvollziehen, ist wohl für manchen Menschen schon bei der Lektüre der Biografien zu anstrengend. Da Picasso wie auch alle anderen Maler der Welt schon ein Motto hatte, das seine Bilder durchzieht, deswegen sind vor allem die frühen Werke von Pablo interessant und die sind vor allem hier in Barcelona zu finden. Das Museum selbst, also das Gebäude, ist eigentlich schon selbst ein Museum.

Am Sonntagmorgen ging es dann wieder mit dem Nachtzug zurück in die Heimat nach Deutschland. Zugreisen über Nacht sind sehr komfortabel, Busfahrten über Strecken von mehr als 500 Kilometer lassen doch den Körper etwas zusammenfallen und so konnten wir ausgeruht am Montagmorgen unseren alltäglichen Geschäften nachgehen, arbeiten, einkaufen, kochen…

Hinweis
Spanienreisen machen mehr Freude, wenn ein wenig spanisch gesprochen wird. Wer die Touristenpfade verlässt, wird sich kaum mit Einheimischen auf Englisch oder Deutsch unterhalten können.